2. Preis
Wohnpark Petrihof - Rostock

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Perspektive gemeinschaftlicher Innenhof
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Vogelperspektive
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Perspektive Anliegerstrasse
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Lageplan

1. Städtebauliche Gesamtkonzeption
Unsere stadtbauliche Gebäudefigur sieht eine Differenzierung der Blockaußenkante und des zur Warnow orientierten Blockinnenraums vor. Die Bausteine des Quartiers werden klar durch Einschnitte voneinander getrennt. Außen prägen städtische und einheitliche Putzfassaden das Bild. Innen entsteht das kommunikative „Wohnzimmer“, der gemeinschaftliche Quartiersraum mit warmen Materialien, Balkonen und Loggien.

2. Architektonisches Konzept/Gestaltungskonzept

Die einheitliche Gestaltung der Fassaden fasst die verschiedenen Bausteine und Wohnungstypologien zu einem gemeinschaftlichen und identifizierbaren Quartier zusammen. Das Erdgeschoss als Nahtstelle zum öffentlichen Raum ist als verklinkerte Sockelzone hervorgehoben. Auf der Westseite zur Altstadt sehen wir im EG kleinere Gewerbeeinheiten vor, die auch als Wohnraum/Maisonette funktionieren um den notwendigen Rückzugsraum vom Gehweg zu bieten. Die übrigen Wohnungen im EG haben Vorgärten sowie Privatgärten zum Hof und werden als Gartenhäuser vom Innenbereich erschlossen. Im Blockinnenbereich und bei den Apartmenthäusern wird Holz auch als Fassadenbekleidung verwendet. Die Dächer sind überwiegend extensiv begrünt. Flächen für eine nachträgliche Installation von Wärmekollektoren oder Photovoltaik werden vorgehalten.

3. Freiraum   
Der Innenhof des Wohnparks Petrihof gliedert sich in zwei Teilbereiche: Die befestigte Platzsituation im Westen ist der zentrale Ort und Treffpunkt des Hofes. Östlich der querenden Wegeverbindung, Richtung Warnowufer, schließt der „grüne“ Innenhof an, in dem Spielflächen an der Wegeverbindung in Richtung Warnowufer aufgereiht sind. Der Übergang vom Innenhof in den naturnahen Grünraum entlang der Uferkante der Warnow ist fließend gestaltet und wird durch den lockeren Baumbestand, der sich aus dem Grünzug in den Innenhof hineinzieht und dabei den Blick in Richtung Warnow freigibt, betont. Die Platzflächen sind mit schlichtem Bankmobiliar ausgestattet. Fahrradabstellplätze und Müllstandorte als Unterflurcontainer befinden sich dezentral im Straßenraum, weitere Fahrradabstellplätze werden im Kellergeschoss untergebracht (insgesamt 270). Diese robuste und einfache Grundstruktur der Außenanlagen erlaubt es, mit minimalen Mitteln eine hochwertige Neugestaltung der Freiflächen des Wohnparks Petrihof herzustellen. Dabei wird auf hochwertige, zeitlose und einfache Materialien wie Naturstein und eine zurückhaltende Formensprache gesetzt.

4. Architektonisches Konzept + Grundrisskonzept
Die Qualität des „Durchwohnens“ ist bei der Konzeption der Grundrisse prägend. Trotz des Bedarfs an überwiegend kleinen Wohnungen sind diese in der Regel durchgesteckt und bieten eine zweiseitige Orientierung. Wir schlagen für eine flächeneffiziente Grundrissgestaltung deshalb teilweise auch innen liegende Bäder vor. Die Lage der haustechnischen Versorgung ermöglicht dennoch überall außen liegende Bäder als Variante. Die Wohneinheiten lassen sich über definierte Schnittstellen der Innenräume zusammenschalten oder sind als Maisonetten übereinander kombinierbar.

Mit folgendem Wohnungsschlüssel bietet unsere Planung 130 Wohneinheiten:
25 x 1,5-Zimmerwohnung 
68 x 2-Zimmerwohnung
29 x 3-Zimmerwohnung
8 x 4-Zimmerwohnung

Wohnen am Laubengang. Der Baustein Süd-Südwest wird als Laubenganghaus mit 2-Zi. Wohnungen und Bezug zur Stadt besonders für Singles oder kinderlose Paare angeboten, die in 3er oder 4er Gruppen Nachbarschaften bilden.Wohnen Vis a Vis. Durchwohnen und Südwohnen mit flexibler Grundstruktur. In den mittleren Bausteinen und den Appartementhäusern wurden die Wohnungsgrößen gezielt gemischt, um hier Möglichkeiten zum Mehrgenerationenwohnen zu bieten. Die Wohnungen im Mittelteil sind um den Treppenraum zusammenschaltbar, die mittige Erschließung und großzügige Anbindung an die Treppenpodeste ermöglichen 2 bis 4 Spänner. So entstehen auf einer Etage Nachbarschaften zwischen Bewohnern von 1-4 Zi.Wohnungen. Die Einzimmerappartments  eignen sich hervorragend für Singles, als Arbeitsräume, Zuschaltzimmer, Wohnen für erwachsene Kinder, Pfleger- oder als separate Einliegerwohnung. Wohnen Rundum an der Warnow – 360°. Die beiden Appartementhäuser sind durch Terrassen und großzügig verglaste Arbeits- oder Wohnräume mit den Mittelriegeln verbunden und gestalterisch bewusst abgesetzt. Hier findet das auf die Warnow und den Außenraum konzentrierte Wohnen etwas abseits vom Innenhof statt.Barrierefreiheit    Alle Wohnungen werden barrierefrei erschlossen. Die Wohnungen an den Laubengängen sind immer von zwei Treppenräumen und zwei Aufzügen erreichbar als „Barrierefreiplus-Standard“. In den Wohnungen enthalten die Trennwände zwischen Abstellraum/WC und Bad keine technischen Installationen und können bei Bedarf zurückgebaut werden, um eine rollstuhlgerechte Nutzung der Bäder zu ermöglichen.Wirtschaftlichkeit und Qualität der Erschließungsbereiche   Der Höhenunterschied vom Straßenniveau zum ersten Nutzgeschoss erfolgt grundsätzlich kostengünstig ohne technische Hilfsmittel (keine Durchlader oder weiteren Aufzugsstationen). Das längere Hauptpodest in den Treppenhäusern ermöglicht eine flexible Erschließung in der Wohnungsmitte (kurze Flurbereiche in den Wohnungen). Mit der Kombination von Spänner- und Laubengangerschließung wird die Erschließung wirtschaftlich dimensioniert.Erreichbarkeit und Qualität gemeinschaftlich genutzter Bereiche    Von jedem Treppenaufgang sind der Garten der Vorgarten und die Kellerräume direkt zu erreichen. Die Räume an den straßenseitigen Zugängen sind flexibel nutzbar: als großzügige Lobby, als Kinderwagenabstellraum, als Gemeinschaftsbereich, als flexibler hausinterner Arbeitsraum oder als Erweiterungsfläche für die angrenzende Wohneinheit.

5. Nutzungskonzept

Aufenthaltsräume liegen über 3,10 m über HN, Tiefgarageneinfahrten erhalten Flutschutztore und Fluchtausgänge. Kellerabgänge und Aufzüge haben einen mobilen Hochwasserschutz aus verzahnten Dammbalken. Bis einschließlich EG, also ca. 6 m über HN werden nur robuste und wasserbeständige Baumaterialien eingesetzt.

Die Tiefgarage mit separater Erschließung ist kompakt und wirtschaftlich unter dem Laubenganghaus angeordnet. Die von den Hausaufgängen abgekoppelte Erschließung sorgt für eine gleichberechtigte Nutzung aller Bewohner und für eine Belebung des Außenraums, da die Bewohner nicht von der Tiefgarage direkt in ihrer Wohnungen „verschwinden“. Je Wohneinheit wird ein Stellplatz realisiert (insgesamt 134); bei Bedarf kann ein weiteres Garagengeschoss angeboten werden.

Gründung / Tiefgarage/ Tragwerk 

Gemäß Baugrund-Gutachten ist der gesamte Planungsbereich durch eine ungünstige Baugrundsituation charakterisiert, die für das Gebäude eine Tiefgründung mit Pfählen notwendig macht, die mit der entsprechenden Einbindetiefe bis in die tragfähigen Sandschichten geführt werden. Zwei weitere Aspekte beeinflussen die Planung: erstens ist die vorhandene locker gelagerte Auffüllung in Bereichen neuer Überbauung auszutauschen, zweitens muss für alle Gründungsmaßnahmen Kampfmittelfreiheit nachgewiesen werden. Geplant ist daher eine kompakte Bauweise mit minimiertem Flächenverbrauch. Der gesamte Bereich der Überbauung wird unterkellert. Unter dem Baustein SüdWest stimmt die geplante Gebäudeunterkante durch die zweigeschossige Tiefgarage in weiten Bereichen mit der vorhandenen Unterkante der Auffüllung überein. Dadurch werden Bodenaushub, Pfahllängen und Pfahlanzahl optimiert. Die geplante Abstufung der Tiefgeschosse ist eine Optimierung im Bezug auf die Aspekte Bauvolumen, Bodenaushub, Pfahllängen und notwendigen Auflasten gegen Auftrieb im Fall von Hochwasser. Die entworfene Gebäudestruktur besitzt das Potential, dass im Hochwasserfall bei einem Scheitelwert über 2,50 m ein Gebäudeauftrieb ohne besondere Sicherungsmaßnahmen verhindert wird. Der Rohbau wird bis einschließlich EG in Massivbauweise geplant. Die oberen Geschosse erhalten massive Decken, Wände, Stützen, und Schotten sowie eine verputzte Holzhülle.

6. Energetisches und ökologisches Konzept

Die Gebäude erfüllen den Energieeffzienzstandard 55. Hierfür sorgt eine kompakte Bauweise  mit hoch gedämmter Fassade bei vergleichsweise geringem Außenwandquerschnitt, ab dem 1.OG in verputzter Holzrahmenbauweise. Holz ist als nachwachsender Rohstoff für die Verringerung der CO²-Belastung ein zukunftsweisendes und zugleich traditionelles Baumaterial. Durch den hohen Vorfertigungsgrad ist die Holzkonstruktion sehr wirtschaftlich zu errichten.Die 3-Scheiben-Isolierverglasung mit großzügigen Verglasungen nach Süden sorgt für einen guten Solareintrag. Der dezentrale Fernwärmeanschluss für Heizung und Warmwasser ist ideal; aufwändige und wartungsintensive technische Anlagen sind nicht vorgesehen. Die Mindestlüftung der Wohnungen (DIN 1946 Teil 6) stellen wir über ein einfaches Falzbelüftungssytem sicher (Regelair o.Ä.) Leitungen für nachträgliche Fotovoltaik und Solarkollektoren auf den Dachflächen werden in der Versorgungsschachtbelegung lediglich vorgehalten, sind aber zur Einhaltung des Energieeffizienzstandards nicht notwendig. Die Fassaden zwischen den Bausteinen erhalten massive Fassadenbegrünung. Hier werden Nistplätze für Insekten und Vögel geschaffen, gleichzeitig werden die Schnittstellen als Schallschutzpuffer zum Schutz des Blockinnenraums aktiviert.

7. Kosten
Kostengünstiges Bauen erreichen wir durch folgende Maßnahmen: kompakte Bauweise, gute Flächenausnutzung in den Wohnungen, Verwendung gleicher Bauteile, hoher Grad an Vorfertigung und leichte Montage auf der Baustelle, Verringerung der Bauzeit, Verzicht auf wartungsintensive technische Anlagen, langlebige Materialien.

IfuH - Institut für urbanen Holzbau
Entscheidung:
05 - 2011

Ort:
Rostock (D)

Verfahren:
Realisierungswettbewerb
als Einladungswettbewerb

Teilnehmer:
Architekten

Auslober:
Rostocker Gesellschaft für Stadterneuerung

Arbeitsgemeinschaft mit:
bbz landschaftsarchitekten - Berlin

Fachplaner:
a.k.a.ingenieure - Berlin - München